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Pressestimmen zu Bebelaar, Joos, Lenz

Wenn drei Instrumente diskutieren

Leonberg. Drei hochkarätige Jazzer improvisieren in der Steinturnhalle. 
 
Der Pianist Patrick Bebelaar, der unter anderem an der Jugendmusikschule Leonberg unterrichtet, der Trompeter Herbert Joos und der Bassist Günter Lenz sind der Einladung von Wolfgang Mueller gefolgt. Der Leonberger, von Haus aus Informatiker, hat das Konzert am Freitagabend in Eigenregie organisiert und sich als Unterstützung noch eine Handvoll weiterer Jazzfreunde mit ins Boot geholt. "Ich mag Jazz und wir hatten mit Bebelaar noch nie ein richtiges Jazzkonzert in Leonberg", begründete er seine Initiative. "Nur Exotisches, wie mit Vincent Klink zum Beispiel." Bebelaar kennt er durch private Begegnungen beim Musizieren.
Die Titel der Stücke sind an diesem Abend Nebensache. Komponisten auch. "Das greift ineinander", sagt Günter Lenz. "Wir haben Themen, und die werden improvisatorisch verarbeitet." Seit mehr als zehn Jahren spielen die drei Musiker zusammen. Sie wurden alle mit mehreren bedeutenden Preisen ausgezeichnet und unterrichten unter anderem an der Stuttgarter Musikschule. Wenn sie auf der Bühne miteinander jazzen, wirkt das so perfekt und homogen, als wären es auskomponierte Stücke, die sie über einen langen Zeitraum hinweg miteinander einstudiert hätten. "Wir sind aufeinander eingespielt", sagt Bebelaar dazu. Das heißt, dass sie alle ein Gefühl dafür entwickelt haben, wie die musikalischen Partner eine einmal begonnene Improvisation weiterführen möchten. Manchmal entscheiden sie sich mitzuziehen, manchmal setzen sie etwas dagegen. "Das ist dann der Reiz", erklärt Lenz. "Jeder kann selbstständig bleiben. Aus Reibung entsteht auch Energie." Und Bebelaar ergänzt: "Für mich ist Kommunikation die Grundlage der Musik. Es ist eine Diskussion. Das ist so wichtig."
Es macht Spaß, diese Diskussion zu verfolgen. Im ersten Teil ist es mehr ein Miteinander. Im zweiten Teil beharren die drei mehr auf ihren persönlichen Aussagen. Beides ist schön, beides ist interessant. Das Konzert beginnt verträumt. Wann das Stück beginnt, lässt sich nicht genau sagen. Anfangs klingt es noch, als stimmten die Musiker ihre Instrumente. Unversehens befinden sie sich dann schon mitten im Stück. Die Klänge, die sie ihren Instrumenten entlocken, sind erstaunlich. Bebelaar zupft die Saiten des Flügels, Lenz schafft mit seinem Kontrabass atmosphärische Klänge, und als Joos beginnt, auf seiner gestopften Trompete zu spielen, entsteht der verblüffende Eindruck, es seufze eine menschliche Stimme.
Mit musikalischen Mitteln zeichnen die drei eine Klanglandschaft, deren Charakter immer lauter und leidenschaftlicher wird. Die anfangs diffusen Klangschwaden verdichten sich zu einem regelmäßigen, strukturierenden Puls. Immer wieder wechselt Joos an diesem Abend das Instrument und nimmt statt der Trompete das Flügelhorn. Er pustet durch, und es klingt, als würde das Instrument atmen. Manchmal quietscht es auch wie ein Luftballon, aus dem langsam die Luft entweicht. Ganz erstaunliche Effekte erzielt Joos beim zweiten Teil des Abends, als er mit der Trompete in den geöffneten Flügel hineinbläst. Das Publikum staunt über das deutliche Echo, das herausschallt. Außerdem klingt der Trompetenton noch sehr lange nach und ergibt mit den Klängen, die Lenz und Bebelaar ihren Instrumenten entlocken, weitaus interessantere Effekte, als sie ein Keyboard produzieren könnte.
Klare Bezüge zum Bop werden immer dann deutlich, wenn sich Klavier und Kontrabass zum so genannten Walkin" Bass vereinen - mal nervös und schnell, manchmal mit großer Gemütsruhe. Geschmeidig platziert Bebelaar seine Riffs, so dass insgesamt ein lyrischer, sanfter und voller Klang entsteht. Die Musiker entfalten klangschöne Balladen, und einmal erwächst aus einem freien Geplänkel fast unmerklich ein immer vehementerer Tangorhythmus.
Zum Schluss hin entsteht eine echte Diskussion zwischen den Instrumenten, die durch Geräuschcollagen fast menschlich wirkt. Vielleicht ist das an diesem Abend ohnehin das Schönste: das Menschliche. Denn obgleich alle drei Meister ihres Fachs sind, machen sie auf der Bühne ihre Späße und witzeln auch mit dem Publikum, das nicht nur von der Musik 
Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung von Gabriele Müller (01.03.2010)


Vom Norden bis nach Durban
Die Herren Joos, Lenz und Bebelaar haben im Stuttgarter Bix musiziert.
Dass Jazz viel mit Emotion und vielleicht noch mehr mit Kommunikation zu tun, konnte man jetzt in aller gebotenen Ruhe im Bix beobachten. Dort zelebrierten Herbert Joss (Trompete, Flügelhorn, Alphorn), Günter Lenz (Bass) und Patrick Bebelaar (Klavier) zunächst die Kunst der Reduktion.
Mit einer Klangästhetik, die mit ihrem Mut zur Stille an den nordischen Jazz des "ECM"-Labels erinnerte, produzierte Joos seine hohen, fragilen Tonfolgen und schrillen Einzeltöne, Bebelaar parierte mitunter durchaus handfest, kommentierte und variierte, unterfütterte den Jazz mit klassischen Akkordwolken, während Lenz sehr warm und lyrisch den Bass dazu singen ließ. Wer nichts zu sagen wusste, hielt sich auch mal raus und hörte nur zu.
Man improvisierte über eigene Kompositionen wie "Raga", verbeugte sich vor Thelonius Monk - und amüsierte sich einen langen Konzertabend bestens, während man sich Ideen zuwarf. Im zweiten Set wurde es dann rhythmischer, schließlich brachte Bebelaar sein Instrument derart zum Grooven, dass Dollar Brand sein Vergnügen gehabt hätte. Bei alledem ging es zwar sensibel, aufmerksam und konzentriert zu, aber die Musiker verstiegen sich nie zur Innenschau, sondern behielten eine wohltuende Bodenhaftung. Einmal trieb Joos sein Spiel in solche Höhen, dass Bebelaar darauf nur mit dem Rascheln der Notenblätter gegenhalten konnte. Lachend. Das passte gut zum Abend.
Ulrich Kriest, Stuttgarter Zeitung vom 15.1.2010


Hinter der Schönheit lauert der Schrecken

So virtuos und eigenständig kann europäischer Jazz sein: Patrick Bebelaar, Günter Lenz und Herbert Joos gastierten in Stuttgart

Von Thomas Staiber
Überraschend sanft und entspannt tastet sich Jazzpianist Patrick Bebelaar in "Raga", eine spanisch angehauchte Eigenkomposition. Warm pulsiert der Kontrabass von Günter Lenz. Doch plötzlich platzt Herbert Joos mit einem Flügelhornschrei hinein. Unbeirrt bleibt der Bass in der Spur, nur das Klavier antwortet mit einer kurzen schrillen Dissonanz, bevor die harmonische Tonfolge wieder aufgenommen wird, als sei nichts geschehen. Als Unruhestifter und Störenfriede wechseln sich der 69-jährige Blechbläser und der 38-jährige Pianist ab, während der 71-jährige Kontrabassist bei dem gemeinsamen Auftritt im Stuttgarter Club Bix vor hundert Besuchern stoisch seine Gefilde beackert. Lenz strahlt Ruhe aus und sorgt für Halt, er ist der Ankermann des Trios.
Langeweile kommt bei diesen drei Herren nicht auf. Da gibt es kein wohliges Eintauchen in schaumige Klangbäder, kein versonnenes Schnipsen. Nein, dieser europäisch geprägte Jazz öffnet sich in viele Richtungen, er changiert zwischen Neoromantik und Noise Art, zwischen Blues und Tango, er spielt mit schroffen Kontrasten, bricht sich prismatisch und leuchtet in immer neuen Klangfarben auf. Hinter der Schönheit lauert gelegentlich der Schrecken, in seiner Leidenschaft steckt Leid. Gemütlichkeit klingt anders. Doch umso süßer wirkt harmonischer Schmelz, wenn er nach scharfen Tonscherben, kantigen Klangsplittern und lavaheißen Eruptionen wieder einmal fließen darf. Nach einer vierjährigen, der Krankheit von Günter Lenz geschuldeten Pause beflügeln sich die drei Musiker wieder erstmals gegenseitig, sie sprühen vor Spielfreude, als müssten sie sich beweisen, dass sie es noch können. Und wie! Gefühl, Intellekt und ein Schuss Anarchie verbindet die drei Männer auf der Bühne. Bebelaars Klavierspiel ist selbst in den schwierigsten Passagen und bei vertrackten Rhythmuswechseln von großer Leichtigkeit. Doch die gerät nicht zu gefälligem Selbstzweck. Dem in Trier geborenen Kusterdinger geht es bei aller Freude an der Musik um künstlerische Wahrhaftigkeit. Wenn er etwa über den Standard "My One And Only Love" improvisiert, meint er seine russische Frau Natalia, für die er mit "Natuschka" ein wunderschönes Liebeslied geschrieben hat. Und auch das steckt voller überraschender Akzente und unerwarteter Wendungen.
Herbert Joos, der zurzeit im Stuttgarter Café Heller seine neuen Bilder ausstellt, ist bei einer solch abwechslungsreichen Musik ganz in seinem Element. Er improvisiert mit warmem rundem Flügelhornton etwa zu einem Walser, um im nächsten Moment mit elefantösem Gebläse den Klangraum aufzubrechen. Joos hat sogar ein Alphorn ins gut besuchte Bix mitgebracht und jazzt darauf derart, dass jeden Schweizer Senn, wäre er Ohrenzeuge, glatt der Blitz treffen würde. Das Publikum jedenfalls lässt sich von der guten Laune gern anstecken. Unter dem weit geschwungenen Bogen einer Suite sind die Anforderungen im zweiten Set an die drei Jazzer am höchsten; Bebelaar hatte sich von der Mörike-Novelle "Orplid" zu dieser Komposition inspirieren lassen.
Auch der "Sitting Küchenbull" von der Wielandshöhe, Fernsehkoch und Bestsellerautor Vincent Klink applaudiert artig. Mit ihm wird der viel beschäftigte Bebelaar demnächst auf Lesetour gehen, um das neue Buch vorzustellen. Klink wird nicht nur vorlesen, sondern auch - von Bebelaar beflügelt - in sein geliebtes Horn stoßen. Der hat noch anderes im Sinn: Er gibt mit dem Tuba- und Serpentspieler Michel Godard einige Konzerte, dann wird er mit seinem neuen New Yorker Trio auftreten, mit Joos eine Balladen-CD einspielen und gleich zweimal nach Südafrika, in seine "zweite Heimat", fliegen. Einmal mit renommierten Jazzmusikern wie Bernd Settelmeyer, Mike Rossi und Uli Süße Konzerte bei der WM geben, ein anderes Mal mit Studenten der Musikhochschule Stuttgart, um gemeinsam mit Musikern aus den Townships von Durban und Kapstadt Jazzprojekte zu entwickeln.
Stuttgarter Nachrichten, 15.1.2010


Virtuose Flammen aus poetischen Klangbildern 

Drei Meister sind sich einig: Das Patrick Bebelaar Trio spielte in der Manheimer Klapsmühl´ am Rathaus 

Und wieder ist eine neue Jazzgröße herangewachsen, denn die Szene blüht und gedeiht unentwegt. Der Stuttgarter Pianist Patrick Bebelaar, Jazzpreisträger 2000 des Landes Baden – Württemberg stellte seine verblüffende Kunst bei der IG Jazz in der Mannheimer Klapsmühl´ am Rathaus vor. Für sein Trio hat er nicht irgendwelche Begleiter hinzugeholt, nein, die Besten sind gerade gut genug: der Trompeter Herbert Joos und der Bassist Günter Lenz. Die beiden Großen hatten ihren Spaß daran, einen Abend lang sich ausschließlich in die Kompositionen Bebelaars zu vertiefen. Atmosphärisch geöffnete Klangbilder von großer Poesie sind die kompositorischen Entwürfe des Pianisten. Eine Poesie, die gleichfalls nicht ausschließt, dass virtuose und dissonante Flammen herausschlagen.

Die Weite seiner Klangwelt machte Bebelaar deutlich in seiner Solo-Nummer „Will We Meet Again“. Modale Ausflüge über eine ostinate Grundlage, solche Modelle sind immer wieder eine gute Ausgangsbasis. Aus profunder Ruhe heraus startet der Pianist seine harmoniegesättigten Klanglandschaften, lässt sie Weite und bald auch Intensität gewinnen. Und was für eine! Kraftvoll eingemeißelte, rasant donnernde Oktavparallelen kommen in große Fahrt, greifen aus zu wuchtigen Katarakten. Bebelaar ist ein starker Improvisator, dessen klassische Schulung ein unüberhörbares Rückgrad bildet. Zu frenetischen Attacken verdichtet er sein Spiel, zu komplex geschachtelten Rhythmen und scharf zugespitzten Harmonien. Das spätromantisch wuchernde Virtuosenvokabular eines Skriabin und Rachmaninow ist in Bebelaars Kunst auf dem Gipfel des entfesselten Rausches noch weitergeführt, verschärft. Dazu passt es auch, wenn er gerne die klanglichen Extreme aufsucht, dunkle schwere Bässe dröhnen und die hohen Diskanttöne krisstalin klirren lässt.

Elementare Kräfte schlummern in der Musik des Stuttgarters, das gilt für das Ruhevolle ebenso wie für das Kraftgeladene.

„Morning Light“ hieß eine weitere Komposition, die den atmosphärischen Gehalt im Titel wie im Klanggebaren trug. Die besondere Qualität des Lichtes am frühen Morgen wurde farbintensiv erkundet, vom gedeckt dämmernden bis zum hell Aufstrahlendem. Schönste Stimmungen entwarf dabei Herbert Joos, der seinem Flügelhorn viel Hall beigab, kraftvoll voluminöse Töne formte, diese auch furios aufbäumte und in reichgezackten  Figuren schillern ließ. Und nach den wildesten Eruptionen schwenkte die Musik immer wieder ein in romantische Gefilde. In einem Tango etwa, stolz und schön und kaftvoll, ebenso auch wie Günter Lenz´ erdigem Kontrabass-Solo, geformt. Das Tango-Solo der gestopften trometeaber war keine Nostalgie, sondern frische Leidenschaft pur.

Eine groß angelegte Komposition Bebelaars füllte den zweiten Set, und seine Vorliebe für  spanische Modi schlug ornamentreiche Blüten, immer im schönen Wechsel mit lakonisch und knorrig dazwischenfahrendem Blues. Die spanischen Harmonien allerdings waren längst nicht so glatt poliert wie bei Chick Corea, sondern tönten mit ausgesprochenem Gefallen an schabenden Nebentönen und mit dem Mut, das Gefällige zum wilden Exzess zu intensivieren. Darin waren sich drei Meister einig. 

(Rainer Köhl, die Rheinpfalz, 26.4.01)


Farbenfrohe Stücke in hoher Spielkultur

Im Jazz ist nichts unmöglich, vor allem keine Instrumentalkonstalation. Mit Klavier, Trompete und Baß wartete jetzt der 30-jährige Trierer Pianist Patrick Bebelaar im Jazzclub auf.
Der Träger des Jazzpreises Baden - Württemberg des vergangenen Jahres verläßt, auch musikalisch, gerne ausgetretene Pfade. Formaler und freier Jazz liegen bei ihm nah beieinander. Als Triopartner konnte er zwei der hervorragendsten deutschen Jazzmusiker gewinnen.
Der Karlsruher Trompeter mit Weltruf, Herbert Joos, ist doppelt so alt wie Bebelaar. Musikalisch klingen beide gleich frisch.Und die Soli des Virtuosen gehen noch immer, vor allem auf dem Flügelhorn, unter die Haut. Der 62-jährige Günter Lenz orientierte sich schon immer am Puls der Zeit,, was man bei seinen zahlreichen eigenen Formationen nachhören kann. Youngster Bebelaar behauptete sich gegenüber den beiden alten Hasen des deutschen Jazz mit seiner ebenfalls ausdrucksstarken und ausgereiften Spielweise.Hörbar wurde die Tatsache, daß das Trio schon seit zwei Jahren miteinander musiziert. Das Programm des gutbesuchten Konzertes bestand aus Stücken der gerade vorgelegten CD "Passion" und wies all drei als Komponisten aus.
Farbenfrohe Stücke, die immer wieder formal Überraschungen zu bieten hatten. Die hohe Spielkultur, dynamische Kniffe und ein reifer Sinn für Ästhetik machten aus den Stücken dicht verwobene Lyrik. Zwei Zugaben, väterliches Umarmen und Schulterklopfen seitens der "Alten" - sympathisch.

(Peter Bastian BNN, 17.2.01)


Erst zuhören, dann genießen 

Herbert Joos und Günter Lenz sind lange im Geschäft und in der Szene dafür bekannt, dass sie ausgetretene Pfade des Modern-Jazz gerne mal verlassen. Der jüngste im Trio hingegen hat noch nicht allzu tiefe Spuren hinterlassen und weckt die Neugier der Zuhörer. Patrick Bebelaar, Pianist und Baden-Württembergs Jazz-Preiträger des Jahres 2000, tritt als ausgeglichener Typ auf, dem man Braves zutraut.

Dass Bebelaar ein schlichtes Klavier bis an die technischen Grenzen bespielt und manchmal sogar diese noch weiter zu verschieben sucht, merkt man erst bei seinen Solostücken, mit denen er gelegentlich in sein Trioprogramm auflockert. Während Bassist Lenz und Trompeter Joos verschmitzte Blicke austauschen, wühlt Bebelaar in der Tastatur seines Instruments und erzeugt faszinierende Klänge, die die Grenze zum Krach verwischen lassen. Doch auch der Krach ist Teil seines Repertoires und wird als Stilmittel kalkuliert eingesetzt. Genau wie das lieblich-süßliche Zupfen einzelner Klaviersaiten, das an eine japanische Koto-Harfe erinnert und zur Untermalung Joosscher Flügelhornlinien dient.

Wie ein Fels in der Brandung wirkt da Lenz. Der schlacksige Lockenkopf aus Hessen ist der Anker der Formation, wenn die beiden anderen zu ihren Kollektivimprovisationen in unbekannte Gewässer aufbrechen. So spannend und unorthodox die Musik des Trios auch ist, die Zuhörer brauchen offenbar irgendeinen Anhaltspunkt, um so richtig mitzugehen. Die meist mit einer Ostinatolinie in der linken Hand unterlegte Melodie der Rechten und die ständig schwankenden Tempi machen es dem Publikum im halb besetzten Klapsmühl'-Theater nicht gerade leicht Bebelaars Musik mitzufühlen. So erscheint sein Applaus dann auch eher aus Bewunderung als aus Begeisterung erzeugt.

Erst bei einem fast untypisch klingenden aber umso vehementer intonierten Tango kurz vor der Pause, bricht das Klatschen und Rufen der Zuhörer spontan und euphorisch heraus. Weder als leichte Kost noch als Modernjazz, wie in der Ankündigung ausgedruckt, kommt die Musik von Patrick Bebelaar daher. Sie gleicht eher einem abstrakten Bild, dessen Bedeutung und Charme sich dem Betrachter nicht beim ersten Ansehen offenbart. Doch wenn man sich in Bebelaars Klangbilder eingehört hat, schwankt der Eindruck von Faszination bis hin zum richtigen Genuss. 

JAZZ: Preisträger Patrick Bebelaar als Jüngster im Trio

(CD: siehe PASSION)


Anspruchsvoll Und Unverkrampft 

Patrick Bebelaar hat sich den Tübingern nicht gerade aufgedrängt. Seit ziemlich genau einem Jahr lebt der Jazzpreisträger in der Unistadt, doch aufgetreten ist er in seiner neuen Wahlheimat noch nicht. Erst jetzt gab es die erste Gelegenheit, den 30-jährigen Pianisten live zu erleben. Mit Herbert Joos, sowie Günter Lenz hat er am Montag hochkarätige Verstärkung ins Brio gebracht.

Der gebürtige Trierer huldigt nicht dem Bebop-Schema, sondern schöpft erkennbar aus europäischen Traditionen und seinem klassischen Background – was keineswegs bedeutet, daß alles bis in Detail festgelegt ist. Bebelaar zieht grundsätzlich eine aleatotrische Kompositionweise vor und läßt seinen Mitstreitern viel Spielraum. Da wechseln freie und notierte Passagen, gibt´s reichlich überraschende Wendungen und unerwartete Einsprengsel.

Das Trio, das eben noch verträumt-beseelte Stimmungen heraufbeschwört, wechselt in die freie Improvisation, nähert sich danach auf distanziert-gebrochene Weise der europäischen Salonmusik, swingt und groovt im nächsten Augenblick und erweist wenig später dem Tango seine Reverenz. Erst erklingt „Duscha Moja“, „dann hat der Günter ein Stück erfunden“, wie Bebelaar lächelnd feststellt, drauf folgt „Valse“ und der Sonny-Rollins-Klassiker „St. Thomas“. Zum ersten Sets spielt Bebelaar seinen Tango.

Selbst wer ganz auf swingenden Jazz amerikanischer Prägung eingestellt ist, kann sich der Faszination kaum entziehen. Bebelaar, Joos und Lenz bieten hoch komplexe Musik völlig unverkrampft, nehmen die Sache ernst und haben dennoch ihren Spaß. Da kann´s auch mal passieren, daß Joos mit hupenden Trometentönen dazwischenfährt und Bebelaar vor lauter Lachen ein paar Takte aussetzen muß. Wer miterlebt, wie die drei im Brio miteinander harmonieren, mag es gar nicht glauben, daß sie in den vergangenen zwei Jahren nur ein paar Mal gemeinsam auf der Bühne standen.

Wie die meisten Stücke des Abends, stammt auch „Orplid“, dass den gesamten zweiten Teil des Konzerts ausfüllt, von Bebelaars jüngster CD mit dem Titel „Passion“ und macht deutlich daß der Wahl – Tübinger den Jazzpreis des Landes nicht etwas zufällig erhalten hat. Bebelaar stellt höchste Ansprüche an sich und seine Mitstreiter und entwirft an Anlehnung an Mörikes Novelle „Orplid“ einen musikalischen Mikrokosmos. Lenz, Joos und Bebelaar meistern die anspruchsvolle Aufgabe souverän, die Reaktion des Publikums zeigt, daß „Neue Musik“ durchaus nicht zwangsläufig als schwierig und anstrengend empfunden werden muß. 

Reutlinger Zeitung, 6.11.01, Joachim Kreibich


Drei Könner: Bebelaar, Joos, Lenz

Kontrolierte Freiheit 

.... Wie spannend, schillernd und abwechslungsreich Gegenwarts-Jazz klingen kann, wenn drei Könner wie der Pianist Patrick Bebelaar, Basist Günter Lenz und Herbert Joos (Trompete) ebenso frei wie bewusst zusammenspielen, hörten am Freitag die ziemlich begeisterten Besucher im bestens gefüllten Kusterdinger Klosterhof.

Zwischen hingehauchter Zartheit und zupackendem Funk-Jazz, fein ziselierter Artistik und kaum gefiltertem Spiel boten Bebelaar (Mitte 30) und die „Oldies“ – Joos und Lenz sind doppelt so alt und zählen seit mehr als drei Jahrzehnten zu den wichtigsten Motoren und Mentoren im deutschen, ja europäischen Jazz – zwei kurzweilige Jazzstunden ohne Leerlauf.

... Zusammen spielten die Drei ein herausragendes Konzert, das mit entsprechend heftigen Applaus belohnt wurde. 

21.2.2005 Reutlinger General Anzeiger

 

News:
Notizen von Unterwegs
Aktuell: 16.12.2011


Bebelaar / Godard
Aktuelle CD "Dedications"
Info Presse

mit vincent klink
Klink / Bebelaar info
www.wielandshoehe.de
Booking: tomprodukt.de

Konzerte:

11.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

12.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

13.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

13.12.2011 Bebelaar, SOLO, SWR-Fernsehaufzeichnung, Baden-Baden

14.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

15.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

18.12.2011 Bebelaar / Klink, Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld

26.12.2011 Bebelaar / Godard – Bebelaar / Klink, Dieselstrasse Esslingen

8.1.2012 Bebelaar / Klink, Oberschwaben Schwendi
15.1.2012 Bebelaar / Klink, Schorndorf, Manufaktur

21.1.2012 Bebelaar / Fonda / Joos, Kulturtreff Untertürkheim

22.1.2012 Bebelaar / Fonda / Joos, Schulzentrum Weil der Stadt

24.1.2012 Bebelaar / Naoum, Literaturhaus Stuttgart

4.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

5.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

6.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

7.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

8.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

9.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

10.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

12.2.2012 Bebelaar / Klink, Klinik Löwenstein

13.2.2012 Bebelaar / Klink, Staatstheater Mannheim

18.2.2012 Bebelaar / Kroll, Petrozawodsk (Russland)

19.2.2012 Bebelaar / Kroll, Petrozawodsk (Russland)

3.3.2012 Bebelaar / Godard feat. Frank Kroll, Schorndorf 

4.3.2012 Bebelaar / Godard, Laichingen, Altes Rathaus 

5.3.2012 Bebelaar / Klink, Gaggenau

8.3.2012 Bebelaar / Godard, Bayreuth JazzClub

10.3.2012 Bebelaar / Godard, Villingen – Schwenningen, Jazz Club 

12.3.2012 Bebelaar / Godard, Karlsruhe, JazzClub

13.3.2012 Bebelaar / Godard, Alte Feuerwache Mannheim

18.3.2012 Bebelaar / Klink / Droste, Stuttgart – Wagenhallen

25.3.2012 Bebelaar / Klink, Friedrichshafen, Bahnhof Fischbach

26.3.2012 Bebelaar / Klink, Konstanz, Il Boccone

31.3.2012 Bebelaar / Joos / Lenz, Cave 61 – Heilbronn

1.4.2012 Bebelaar / Klink, Foyer der Stadthalle Singen 

21.4.2012 Bebelaar / Fonda / Joos, Jazzfestival-BW, Reutlingen Mitte

22.4.2012 Bebelaar / Klink, Kleinheubach

5.5.2012 Bebelaar / Joos / Lenz, Frankfurt, Roman Fabrik 

14.5.2012 Bebelaar / Klink, Böblingen, Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums

31.5.2012 Bebelaar / Godard, Konstanz JazzClub

25.6.2011 Bebelaar / Klink / Droste, Rheinfall-Festival

22.7.2012 Bebelaar / Godard / Gavino / Klink / Rizzo, Kloster Lorch

23.7.2012 Bebelaar / Godard / Gavino / Klink / Rizzo, Ludwigsburger Schlossfestspiele

14.10.2012 Bebelaar / Klink, Echterdingen, Theater um 4

15.10.2012 Bebelaar / Klink, Baden-Baden, Rantastic

10.11.2012 Bebelaar / Godard, Fellbach, Musikschule

11.11.2012 Bebelaar / Godard, Aidlingen Jazzfestival

11.11.2012 Bebelaar / Godard / Klink, Jazzclub in der Mitte, Reutlingen

12.11.2012 Bebelaar / Klink, Stadt Ehingen

17.11.2012 Bebelaar / Klink, Waldshut

6.12.2012 Bebelaar / Godard, Jazz Club Singen, Gems

7.12.2012 Bebelaar / Godard, Jazz im Staufenberger-Schloss, Albstadt

9.12.2012 Bebelaar / Klink, Esslingen Schlossscheune