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Pantheon


Patrick Bebelaar,

dml records/Fenn Music CD-025
(80 Min., 9/2005)
1 CD 
 
 


 
 
 

Als zeitgenössische Auseinandersetzung mit Johann Sebastian Bachs H-Moll-Messe komponierte der Pianist Patrick Bebelaar sein „Pantheon“. Bach hatte Elemente der protestantischen, katholischen und byzantinischen Liturgie verschmolzen. Diesem religionsüberschreitenden Charakter folgend vereint Bebelaar Musik und Rhythmen von afrikanischen Naturreligionen mit Klängen aus dem indisch-hinduistischen, dem buddhistischen, dem christlich-jüdischen und dem islamischen Kulturkreis. Sein Sextett integriert mit Elektrocello, Tuba, Alphorn und Tamburin ungewöhnliche Instrumente. Aber gerade sie verhindern, dass das 80minütige Werk in Klischees der Weltmusik verfällt. Bebelaar imitiert die Musik der verschiedenen Kulturkreise nicht. Er übersetzt sie in die Klangwelt seines Ensembles. Das verleiht dem pan-religiösen Werk einen einzigartigen, tiefgründigen, ernsthaften, gelassenen und optimistischen Charakter. (Rheinische Post)


Kaum zu glauben, aber wahr: Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe inspirierte den Pianisten Patrick Bebelaar zur Komposition "Pantheon". Immerhin findet sich vordergründig in Bebelaars Komposition keine Melodie aus Bachs Meisterwerk. Bebelaar hat Bach nicht verjazzt. Im Gegenteil: Er hat – formal an Bachs Gliederung angelehnt – ein panreligiöses Werk geschaffen, das Einflüsse aus Buddhismus, Hinduismus, Christen- und Judentum, Islam und einer afrikanischen Naturreligion in 80 beseelten Minuten vereint. Was Bebelaar und seine Partner Fried Dähn auf Cello und Elektrocello, Michel Godard auf Tuba und Serpent, Herbert Joos auf Trompete, Flügelhorn und Alphorn, Frank Kroll auf Sopransaxofon und Bassklarinette und Carlo Rizzo mit Tamburin und Gesang ausführen, wirkt eher wie eine großartige weltmusikalische Komposition als wie eine Bachadaption. Unter anderem entlehnte er aus einer Aufnahme des Inders Ravi Shankars den Rhythmus des "Vandanaa Trayee", aus dem jüdischen Kulturkreis eine Melodie zum "Adoschem Adoschem – be ana Rochiz", aus dem islamischen Sufigesang eine Melodie aus "Die Sonne ging über dem Mond auf" und verwendete einen buddhistischen Mönchsgesang. Aus diesen Elementen komponierte er eine Folge von Solo- bis Sextettpassagen. Zwei Abschnitte ragen aus der intensiven, den Hörer tief berührenden Musik heraus: Zum einen eine Umdeutung des Chorals "O Haupt voll Blut und Wunden", den Bebelaar – wie schon in seiner "Passion" – so weit verändert, dass aus der protestantischen Verherrlichung des Leidens als Weg zur Erlösung ein aufwühlender Klagegesang wird. Zum anderen eine großartige Fortentwicklung der jüdischen Melodie des "Schalom Alechem", das – auch als Kontrast zu Bachs obrigkeitshörigen Schlusszeilen "Dona nobis pacem" – ein wesentlich optimistischeres Finale ermöglicht. Das am 9. September 2005 beim Europäischen Musikfest der Internationalen Bachakademie uraufgeführte und einen Tag später im Studio eingespielte "Pantheon" spiegelt in seiner unvergleichlichen, gefühlvollen und intellektuellen, zärtlichen und tiefgründigen Musik die Identitätsfindung innerhalb und jenseits der Weltreligionen. Wer Bebelaars eigene Analyse lesen möchte, findet sie unter www.bebelaar.de/pantheon. 


Werner Stiefele, rondo 07.03.2008


Seine Uraufführung hatte Patrick Bebelaars im Auftrag der Internationalen Bachakademie Stuttgart geschriebene Komposition am 9. September 2005 im Rahmen des Europäischen Musikfests in der Leonhardskirche in Stuttgart, die Aufnahme für die nun vorliegende CD enstand ein Tag später in den Ludwigsburger Bauer Studios. Auf „Pantheon“ hat Bebelaar sich von Bachs H-Moll Messe inspirieren lassen.Von einer reinen Interpretation zu sprechen wäre indes falsch. Bebelaar nutzt vielmehr die Strukturen der Bach´schen Komposition, um thematische Bezüge zur Musik aus anderen Kultur- und Religionskreisen zu schaffen. Der diesmal auch ein Clavichord spielende Pianist greift dabei wie schon bei vorangehenden Projekten auf seine Wegbegleiter Michel Godard, Tuba, Serpent, Herbert Joos, Trompete, Flügelhorn, Alphorn, und Frank Kroll, Sopransaxofon, Bassklarinette zurück. Erstmals ist auch der italienische TamburinspielerCarlo Rizzo an Bord.Herausgekommen ist ein intellegent durchdachtes Werk mit Melodien anderer Weltreligionen, das der Tradition von Bachs Refernz-Werk voller Respeckt entgegentritt, Experimente umgekehrt aber auch nicht scheut. So folgt dem Bläserorientioerten Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ eine Passage, in der Fried Dähn seinem elektrisch verstärkten Cello verzerrte Töne entlockt. Wer eine Aufnahme im Sinne eines Play Bach erwartet, könnte sich entäuscht sehen. Wer sich hingegen auf einen offenen Umgang mit einem musikalischen Monument einlässt, wird seine Freude haben.
Thomas Volkmann, Jazzpodium 2/2008


Patrick Bebelaars „Pantheon“ vereint Musik und Rhythmen von afrikanischen Naturreligionen mit Klängen aus dem indisch-hinduistischen, buddhistischen, christlich- jüdischenund islamischen Kulturkreis – und dies, ohne in klischees der Weltmusik zu verfallen. Das ausbalancierte Klangbild unterstreicht die Wärme des panreligiösen Werks. Eine einzige Verbindung aus tiefgrndiger Komposition und fedeleicht schwebenden Improvisationen
Werner Stiefele, Audio Live 3/2008


... Im Vergleich zu (Eberhard) Webers Album wirken die beiden neuen Alben des Pianisten und Komponisten Patrick Bebelaar fast schon herausfordernd abenteuerlustig und riskant. Sowohl „Pantheon“, eine Auftragkomposition für die Internationale Bachakademie Stuttgart, als auch „Ein Traum vom wunderbarem Leben“, eine Auftragskomposition für das Deutsche Literaturarchiv zu Marbach zum Mörike-Jahr, zeugen von einer ungewöhnlich kompromisslosen, konzeptuellen Ernsthaftigkeit im Umgang (beide: dml records/Fenn Music) mit der jeweils gestellten Aufgabe. Ob die musikalische Auseinandersetzung mit Bachs „h-moll-Messe“ oder mit Mörikes „Peregrina“-Gedichten, ob die Konfrontation von klassischer Musik mit Weltmusik, der Einsatz ungewöhnlicher Instrumente wie der Serpent oder dem Alphorn oder der Einsatz in die Jahre gekommener live electronics, stets gelingen Bebelaar musikalische Lösungen, die auf Tonträger vielleicht sogar mehr überzeugen als bei ihrer jeweiligen Live-Präsentation.
Ulrich Kriest, Stuttgarter Zeitung


Eine Messe für alle Religionen

Die Auseinandersetzung des Jazzpianisten Patrick Bebelaar (34) mit Bachs H-Moll Messe heißt „Pantheon“und wird beim morgen beginnenden Europäischen Musikfest uraufgeführt. Ulrich Kriest hat sich mit Bebelaar über Bach, Jazz und seinen Stundenlohn unterhalten.  Herr Bebelaar, ihre Komposition im Auftrag der Bachakademie „Point Of View“ war vor drei Jahren ein Erfolg, ließ aber manchen Hörer etwas ratlos zurück. Es hieß, schönes Konzert, hat aber mit Beethoven nichts zu tun. Das ist der Punkt: Du hörst Beethoven nicht. Es gibt kein verjazztes „Da da da damm“. Wenn man zu Wolfgang Rihm geht, hört man Beethoven vielleicht auch nicht, kann sich aber von Erwachtungen los machen. Bei Jazz ist man kritischer. Trotzdem wurden Sie erneut mit einer Auftragskomposition betraut. Der Bachakademie hat ihre Arbeit gefallen. Die Beethoven-Geschichte war ja einigermaßen erfolgreich. Es waren 700 Leute da, kein typisches Akademiepublikum, aber auch nicht mein Publikum, denn die fünfzig Leute kenn ich. Es war ein anderes, jüngeres Publikum, was im Sinne der Akademie war. Das will man jetzt wiederholen? Ich denke, die Bachakademie genießt großes Renommee, trotzdem muss man sich immer etwas Neues überlegen. Man kann nicht einfach zum zwanzigsten Mal einfach die H-Moll Messe spielen. Die modernen klassischen Komponisten sind häufig fürs Publikum zu sperrig. Bei Jazzern wie mir erkennt man zumindest die grobe Form der Komposition, wiederkehrende Themen, über die improvisiert wird. Dadurch, dass ich konzertanten Jazz spiele, ist die Form gewahrt. Der Rahen ist vertraut, die Musik melodiös. Dann ist Jazz à la Bebelaar publikumsfreundlicher als Neue Musik? Naja, aus der Bierzeltecke ist der Jazz schon heraus. Jazz wird konzertanter, auch im Mainstreambereich fordert er das ganz selbstverständlich, etwas bei Marsalis. Da wird kein Bier ausgeschenkt und geredet. Was bringt das dem Jazzmusiker? Zunächst, dass man ihm etwas besser zuhört. Die kapitalistischen Kampfansagen des Clubs fallen weg: Wer ist der Schnellere? – Bei meiner Musik dienen die Musiker bei aller Freiheit, die sie genießen, der Komposition. Nichts gegen Zehnminüter mit Soli, aber eine Komposition, die sich über eine Stunde aufbaut, erzielt eine andere Wirkung. Wie kam es zu „Pantheon“? Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dass mir zu Bach etwas einfallen würde. Dann sagt man natürlich Ja. Ich hätte gerne eine ältere Komposition gespielt. Beim ersten Gespräch mit der Akademie stand schon die H-Moll Messe im Raum. Dann bekam ich Zeit, ein Konzept zu entwickeln. Ist denn die H-Moll Messe dem Publikum derart bekannt, dass Ihre Arbeit damit goutiert werden wird? Ich denke, nein. Wie alle bachschen Werke aus diesem Bereich ist sie viel zu lang und dürfte nicht allzu bekannt sein. Wie entsteht eine Komposition, bei der nur vorgegeben ist, dass es eine Auseinandersetzung mit der H-Moll Messe sein soll? Ich habe mir erst einmal eine CD gekauft. Dann habe ich mir die Partitur angesehen. Anschließend habe ich mich in die musikhistorische Literatur zu Bach eingelesen. Ich habe mich treiben lassen. Ich meine, die H-Moll Messe ist ja nicht irgendwas. Das ist ein Monsterepos voller Parodien des eigenen Werks., gewissermaßen „The Best Of Bach“. Da gerät man schnell in Panik. Welche Konzeption steht denn nun hinter „Pantheon“? Mein Ausgangspunkt war: Warum hat der Protestant Bach eine Katholische Messe komponiert? Am Anfang stand die Bewerbung auf eine Stelle als Hofkapellmeister an einem katholischen Hof. Aber warum hat er die Komposition beendet? Mit ist aufgefallen, dass Bach viele Textierungen übernommen hat, die auch für Protestanten okay waren. So kam ich zu der Idee, die „Messe“ als ökumenisches Projekt zu lesen, was ja sehr aktuell ist. Ich habe, durch aus immer im Blick auf Bach, eine Messe komponiert, in der sich alle Religionen, also auch Buddhismus, Hinduismus, Islam und auch afrikanische Naturreligionen zu Hause fühlen können. Wie hat man sich dies kompositorisch vorzustellen? Ich habe bachsche Strukturen als Schablonen für meine Musik genommen, die ihrerseits Motive der unterschiedlichen Religionen in bestimmten Melodien oder klängen – etwa einem Rhythmus von Ravi Shankar – aufgreift. Auch habe ich mich bei der Instrumentation an Bach angelehnt. Das klingt nach viel Recherchearbeit. Ich möchte meinen Stundenlohn lieber erst gar nicht berechnen.  

Stuttgarter Zeitung, 26.8.2005 


Der ganze Jazz besteht aus Teufel

Aber göttlich kann er auch sein: Jazzer Bebelaar hat für das europäische Musikfest ein „Pantheon“ mit Bezügen zu Bachs h-Moll Messe komponiert. Schon einmal, in seiner „Passion“ von 1999, hat sich der Tübinger Jazzpianist und Weltmusik-Komponist Patrick Bebelaar mit Johann Sebastian Bach auseinandergesetzt. Das seine Art der Auseinandersetzung meilenweit vom „Play Bach“ eines Jacques Loussier entfernt ist, wird auch die morgige Uraufführung von Bebelaars „Pantheon“ beim Europäische Musikfest zeigen. Dietholf Zerwecken unterhielt sich mit dem Komponisten. Welche Bedeutung hat Bach für Sie als Jazzmusiker? Ich bin mit den Kantaten und Oratorien Bachs groß geworden. Als Jugendlicher habe ich sie im Chor mitgesungen. Als es mir später richtig mies ging, habe ich mich intensiv mit Bach beschäftigt. Die „Passion“ ist aus einem Leidensdruck entstanden. Meine Beschäftigung mit Bach hat wenig damit zu tun, dass ich Jazzmusiker bin. Das Interesse am Jazz hat sich bei mir irgendwann anders entwickelt, mit einer typisch europäischen Denkweise. Sei es im Folkloristischen, sei es in großen konzertanten Formen versuche ich, das zu verarbeiten. Meine Suche nach neuen Klängen hat mich andererseits mit indischen und südafrikanischen Musikern zusammengebracht. Für Ihre Komposition „Pantheon“ haben Sie Bachs h-Moll Messe als Vorlage verwendet. Sie haben sich von dem Text dieser Messe zu einer musikalischen Erweiterung in andere Kulturen anregen lassen. Wie verfahren Sie damit? Ich verwende an drei Stellen Motive aus dem Judentum und dem Sufi-Gesang des Islam und arbeite mit musikalischen Ausdruckweisen des Buddhismus und Hinduismus. Ich wollte erst einige Raga-Themen einbauen, das hat aber wenig mit spiritueller Musik zu tun. Etwas von Ravi Shankar ist dabei, ein Rhythmus, den er unter einen solchen Gesang gelegt hat. In der recht ungewöhnlichen Besetzung von „Pantheon“ mit Herbert Joos (Trompete und Albhorn), Frank Kroll (Sopransaxofin und Bassklarinette), Michel Godard (Tuba und Serpent), Fried Dähn (Cello und e-cello), Carlo Rizzo (Tamburin) und Ihnen am Klavier und Clacichord gibt es keine Sänger. Das ist bei einem Stück mit Bezug zur h-Moll-Messe überraschend. Ich finde Sänger ganz problematisch. Sängerinnen eigentlich noch mehr.. Bei Carlo Rizzo, der eine ganze Anzahl seiner Tamburins spielt, aber auch eine archaische italienische Gesangskultur beherrscht, kann ich mir das vorstellen, an einer Stelle mit einem hinduistischen Tabla-Ruf. Verändern Sie das Stück jetzt noch während der Proben? Für meine Verhältnisse gibt es mit 100 Seiten relativ viel Notenmaterial. Je öfter man so ein Werk spielt, desto freier geht man damit um. Auch wenn ich das Stück fertig habe, möchte ich, dass es Morgen wieder ganz anders klingt. Michel Godard sagt dann zum Beispiel: „Jetzt mach ich mal was ganz Neues!“ Leider werden solche Stücke in der Regel nur ein-, zweimal aufgeführt und dann vielleicht noch auf CD aufgenommen. Aber die Ideen entwickeln sich weiter. Es ist eigentlich traurig, dass man bei einer Uraufführung zwar 700 Leute im Saal hat, dass sich aber kein Veranstalter findet, das anderswo zu wiederholen. Was bedeutet der Titel „Pantheon“ für Sie? Ich habe nach etwas gesucht, dass die Toleranz von verschiedenen Religionen und Gottheiten symbolisiert, wie das in der Antike allen Gottheiten geweihte Pantheon. Zahlenverhältnisse spielen bei Ihrer Komposition eine wichtige Rolle. Besonders die Sieben – das ist auch die Anzahl der Teile der Messe – scheint es Ihnen angetan zu haben. Die sieben gilt als Symbol des ewigen Lebens. Auch die Zwölf, die 24 sind heilige Zahlen. Das ist für mich eine Bezug zu Bachs h-Moll Messe, die Metaebene der Struktur. Ich glaube, dass meine Musik grundsätzlich sakral ist, dass ich immer versuche nicht als rational kontrollierte Pianist dazusitzen, dass ich mich treiben lasse in emotionale Schichten, die sehr tief im Bewustsein liegen. Kommt der Teufel mit seinem Klangsymbol, dem Tritonus, auch in ihrem Stück vor? Der ganze Jazz besteht aus Teufel. Alle Jazzer-Witze enden in der Hölle. 
8.9.2005 Esslinger Zeitung


Ein „Pantheon“ für alle Götter dieser Welt

Wie der Pianist Patrick Bebelaar beim Europäischen Musikfest in Stuttgart mit einer Unraufführung imponierte.... Die weltmusikalische Perspektive, der sich Bebelaar ansonsten in seinem viel zu wenig gewürdigten Trio „Limes X“ intensiv widmet, prägt auch seine aktuelle Auftragsarbeit für das diesjährige Europäische Musikfest. Dessen Motto „Bach im 21. Jahrhundert“ kühn beim Wort nehmend, wagte er nichts geringeres als eine Neu-Komposition  von Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe, mit dem Bauplan des monumentalen Werks als formalen Fundament und Bachs überkonfessioneller Aussage, als Anreiz, sie ins wahrhaft ökumenische, Universale zu erweitern..... Was die zahlreich erschienenen Gäste der Uraufführung in der Stuttgarter Leonhardskirche zu Standing Ovations am Ende des abendfüllenden Stücks hinriss, war der überzeugende Gesamteindruck einer sich organisch entfaltenden, nie verkrampft wirkenden Crossover-Komposition...

Mannheimer Morgen, 14.9.2005


Patrick Bebelaars „Pantheon“ in der Leonhardskirche
Seid Umschlungen Ihr Millionen 

Zwar speist sich „Pantheon“ aus unterschiedlichsten musikalischen und religiösen Quellen -  der Titel, darf man annehmen, markiert eine Art kultischen Sammelplatz für Einflüsse aus Indien, Südamerika, Afrika, Europa, dem nahen und dem Fernen Osten -, doch wird aus dem Verschiedenartigen keine Einheitssoße. Im Gegenteil: Jede einzelne Zutat steht für sich...

Stuttgarter Nachrichten, 12.9.2005


Bach tot, Bach lebendig 
Zwei Uraufführungen beim Europäischen Musikfest

Naivität ist nicht die Sache des Komponisten Patrick Bebelaar. Früh hatte er sich entschieden, Bachs h-Moll Messe nicht Korsett für die eigene Komposition werden zu lassen, sondern selbstbewusst als Inspiration für sein Auftragswerk „Pantheon“ zu nutzen. Deren konzertante Uraufführung am Freitagabend in der ausverkauften Leonhardskirche wusste zu begeistern, gerade weil es mit den Mitteln des Jazz gelang, das Motto des Europäischen Musikfests, nach Perspektiven für „Bach im 21. Jahrhundert“ zu suchen, auf hohem Niveau einzulösen.Mühelos gelang es den Musikern das Publikum über die ehrgeizige Länge von fast hundert Minuten zu fesseln und mitunter – ungewöhnlich genug in diesem Rahmen – zu jazzigem Szenenapplaus für solistische Kabinettstückchen zu bewegen.... „Pantheon“ bietet eine komplexe musikalische Passage durch die Weltreligionen, fügt eine jüdische Melodie gegen einen indischen Rhythmus, entwirft einen Klangraum, den man spontan als buddhistisch wahrnimmt, der wiederum dissonant mit den Rhythmen afrikanischer Naturreligionen kommuniziert..... ließen „Pantheon“ zu einem aufregenden und intellektuell wie emotional eindrucksvollen Statement gegen aktuelle Fundamentalismen werden.

Stuttgarter Zeitung, 12.9.2005


 

Uraufführung beim Europäischen Musikfest in Stuttgart
„Pantheon“: Von der Weltmusik zum Bach
Patrick Bebelaar begeisterte mit Sextett in der Leonhardskirche

1Stuttgart. - Auch das zweite „jazzige“ Bach-Konzert des diesjährigen Musikfests stieß auf begeisterte Resonanz. In der vollbesetzten Leonhardskirche hatten sich zahlenmäßig gewiss mehr Bachakademiker als Jazzfans eingefunden, um einer eineinhalbstündigen Aufführung zu lauschen, die sich auf die h-Moll-Messe des Thomas Kantors bezog. Der gewiefte Komponist Patrick Bebelaar bediente selbst Flügel sowie Clavichord und wurde musikantisch unterstützt von fünf weiteren renommierten Instrumentalisten der Jazz-Szene.

Aus eigenem Antrieb nahm Patrick Bebelaar 1999 im Tonstudio eine „Passion“ auf, die bereits eine eigenwillige Version des Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“ beinhaltete. Schon damals war klar, dass dies eigentlich auch für Helmuth Rilling höchst interessant sein durfte. Für 2002 erhielt Bebelaar dann von der Backakademie tatsächlich einen Kompositionsauftrag. Darin setzte er sich kritisch mit Beethoven auseinander und zeigte samt indischen Musikern konstruktiv auf, dass der egozentrische Komponisten-Titan aus Bonn zu wenig die Kulturen der weiten Welt beachtete.

Bei seinem „Pantheon“ bezieht sich Bebelaar auf die nach römisch-katholischem Ritus gehaltene h-Moll-Messe des größten evangelischen Kirchenmusikers. Religiöse Toleranz setzte der 1971 in Trier geborene Musiker nun in Klang um. Nach eigenem, Bekunden verwendete er so u.a. „Motive aus dem Judentum und dem Sufi-Gesang des Islam“ sowie „musikalische Ausdrucksweisen des Buddhismus und Hinduismus“. Keineswegs hat Patrick Bebelaar irgendein neues Arrangement der h-Moll-Messe geschaffen, vielmehr ließ er sich von dem 1750 letztlich zusammengefügten Werk inspirieren.

So kommt Patrick Bebelaar ganz ohne Worte aus – bis auf eine Stelle. D2a darf der Sarde Carlo Rizzo, der ansonsten aus seinen diversen Tamburins bei aberwitzigen Rhythmen einen verblüffende Klangfarbenreichtum herausholte, schmachtend ein „Gloria“ singen. Kein Text beispielsweise auch beim „Credo“ oder beim „Agnus Dei“ – höchstens ein paar mehr oder weniger versteckte Motivübernahmen von Johann Sebastian Bach.

Es erscheint beispielsweise ein gebrochener Mollakkord mit integrierter Quarte als Riff, über das man intensiv improvisieren kann. Schön auch immer wieder, wenn im Ensemble auf swingender Grundlage barocke Polyphonie auflebt, erst recht reizvoll in der Fugenform. Fulminant ebenfalls, wie erneut „O Haupt voll Blut und Wunden“ intoniert wird und mittendrin Fried Dähn auf seinem elektrifizierten Cello samt aufkreischenden Rückkopplungseffekten an die aufklärerische Auseinandersetzung des Gitarristen Jimi Hendrix mit der amerikanischen Nationalhymne (Woodstock-Festival von 1969) erinnert. Da muss der Cellobogen ordentlich Haare lassen…

„Pantheon“ begann, den natürlichen Nachhall des Kirchenschiffs ausnützend, mit dem vom Vatikan lange Zeit regelrecht verbotenen Tritonus-Intervall. Alsbald befand man sich in einer regional kaum zu ortenden Globalmusik: Phrygisches aus Spanien? Skalen vom arabischen Raum? Pentatonik aus Japan? Locker und impressionistisch kam dies jedenfalls daher, und der in Frankreich geprägte Begriff der „imaginären Folklore“ zwängte sich wieder auf. Einer deren Vertreter ist Michel Godard, der wie gewohnt schnelllippig in seine Tuba blies und zudem ein historisches Serpent mitbrachte.

Die individuelle Note ging bei der ehrfurchtsvollen Reverenz an Bach auch nicht bei Frank Kroll und Herbert Joos verloren. Kroll, der langjährige Partner von Bebelaar, spielte da dramatisch auf der Bassklarinette und ließ das Sopransax süßer klingen. Einfühlsam auch Herbert Joos auf dem luftigen Flügelhorn, der durch Dämpfer geschärften Trompete und dem obligatorischen Alphorn.

Patrick Bebelaar griff nicht in die Tasten der in der Leonhardskirche festinstallierten Orgel. Vielmehr langte er gerne in die Saiten des Flügels und dämpfte per Hand auch mal den Klang des Clavichords ab, das allerdings mächtig elektronisch verstärkt wurde. Enthusiastischer Zwischenapplaus nach mitreißenden Solo- und Tutti-Beiträgen und zum Schluss geradezu frenetischer Beifall.

Das Konzert wird gesendet auf SWR 2 am 29. Dezember, 19.05 Uhr.

Esslinger Zeitung 12.9.2005

News:
Notizen von Unterwegs
Aktuell: 16.12.2011


Bebelaar / Godard
Aktuelle CD "Dedications"
Info Presse

mit vincent klink
Klink / Bebelaar info
www.wielandshoehe.de
Booking: tomprodukt.de

Konzerte:

11.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

12.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

13.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

13.12.2011 Bebelaar, SOLO, SWR-Fernsehaufzeichnung, Baden-Baden

14.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

15.12.2011 Bebelaar / Settelmeyer / Naoum, Merlingen – Schweiz

18.12.2011 Bebelaar / Klink, Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld

26.12.2011 Bebelaar / Godard – Bebelaar / Klink, Dieselstrasse Esslingen

8.1.2012 Bebelaar / Klink, Oberschwaben Schwendi
15.1.2012 Bebelaar / Klink, Schorndorf, Manufaktur

21.1.2012 Bebelaar / Fonda / Joos, Kulturtreff Untertürkheim

22.1.2012 Bebelaar / Fonda / Joos, Schulzentrum Weil der Stadt

24.1.2012 Bebelaar / Naoum, Literaturhaus Stuttgart

4.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

5.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

6.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

7.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

8.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

9.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

10.2.2012 Bebelaar / Naoum, "Oceano" Punta del Hidalgo, Teneriffa

12.2.2012 Bebelaar / Klink, Klinik Löwenstein

13.2.2012 Bebelaar / Klink, Staatstheater Mannheim

18.2.2012 Bebelaar / Kroll, Petrozawodsk (Russland)

19.2.2012 Bebelaar / Kroll, Petrozawodsk (Russland)

3.3.2012 Bebelaar / Godard feat. Frank Kroll, Schorndorf 

4.3.2012 Bebelaar / Godard, Laichingen, Altes Rathaus 

5.3.2012 Bebelaar / Klink, Gaggenau

8.3.2012 Bebelaar / Godard, Bayreuth JazzClub

10.3.2012 Bebelaar / Godard, Villingen – Schwenningen, Jazz Club 

12.3.2012 Bebelaar / Godard, Karlsruhe, JazzClub

13.3.2012 Bebelaar / Godard, Alte Feuerwache Mannheim

18.3.2012 Bebelaar / Klink / Droste, Stuttgart – Wagenhallen

25.3.2012 Bebelaar / Klink, Friedrichshafen, Bahnhof Fischbach

26.3.2012 Bebelaar / Klink, Konstanz, Il Boccone

31.3.2012 Bebelaar / Joos / Lenz, Cave 61 – Heilbronn

1.4.2012 Bebelaar / Klink, Foyer der Stadthalle Singen 

21.4.2012 Bebelaar / Fonda / Joos, Jazzfestival-BW, Reutlingen Mitte

22.4.2012 Bebelaar / Klink, Kleinheubach

5.5.2012 Bebelaar / Joos / Lenz, Frankfurt, Roman Fabrik 

14.5.2012 Bebelaar / Klink, Böblingen, Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums

31.5.2012 Bebelaar / Godard, Konstanz JazzClub

25.6.2011 Bebelaar / Klink / Droste, Rheinfall-Festival

22.7.2012 Bebelaar / Godard / Gavino / Klink / Rizzo, Kloster Lorch

23.7.2012 Bebelaar / Godard / Gavino / Klink / Rizzo, Ludwigsburger Schlossfestspiele

14.10.2012 Bebelaar / Klink, Echterdingen, Theater um 4

15.10.2012 Bebelaar / Klink, Baden-Baden, Rantastic

10.11.2012 Bebelaar / Godard, Fellbach, Musikschule

11.11.2012 Bebelaar / Godard, Aidlingen Jazzfestival

11.11.2012 Bebelaar / Godard / Klink, Jazzclub in der Mitte, Reutlingen

12.11.2012 Bebelaar / Klink, Stadt Ehingen

17.11.2012 Bebelaar / Klink, Waldshut

6.12.2012 Bebelaar / Godard, Jazz Club Singen, Gems

7.12.2012 Bebelaar / Godard, Jazz im Staufenberger-Schloss, Albstadt

9.12.2012 Bebelaar / Klink, Esslingen Schlossscheune